FOTOARCHIV
 
 
 
 
 

Fotoarchiv. Sozialdokumentarische Fotografie, Dokumentarfotografie und Naturfotografie von 1930 bis 1933 und nach 1945

Die Holzschnitte Franz Masereels in ihrem starken Hell-Dunkel und ihrer politischen Thematik, die Zeichnungen Heinrich Zilles in der liebevollen und zornigen Beobachtung des sozialen Milieus, die grafische Monumentalität der Arbeitergestalten und der Frauen im Werk der Käthe Kollwitz, der harte Biss der Zeichnungen eines George Grosz, der die Bourgeoisie in ihrer Raubtierhaftigkeit demaskiert, indem er ihre Charaktermaske entwirft, der fotografisch kühle Blick des Malers Max Liebermann auf die Arbeitswelt und die Hinterhöfe, die Landarbeit, und die Wucht und Schwere der Plastiken von Ernst Barlach – alles dies hat Ballhause studiert. Wie sie mit dem Zeichenstift, dem Pinsel, der Kreide, dem Meißel, wird er ein sozialer Künstler mit der Kamera. [...] Er schafft Bilder, die in ihrer ästhetischen Qualität, ihrem Gefühl, ihrer Sachlichkeit und Härte der sozialen Aussage neben die von ihm geschätzten Werke der bildenden Kunst gehören.

Es wird konstatiert, nicht interpretiert! Das Elend der untergehenden Weimarer Republik erscheint aufgegliedert in typischen Gruppierungen, die am Beispiel der Provinzstadt Hannover beides erfasst: das Großstädtische und zugleich die Reste aller Proletariertraditionen. Ballhause ist ein Fotograf der Leute. Der Komplex Industrie bleibt ausgespart. Was er ins Zeitbild fasst, ist Lebenswelt der Unterschicht.

Walter Ballhause war Zeit seines Lebens in seiner Haltung, in seinem Handeln geprägt von den Idealen des Sozialismus und Humanismus. Fotografie – auch seine Fotografie – hielt er deshalb nur für wesentlich, wenn sie Mittel, Waffe war in dem Bestreben zum Erreichen einer besseren, humaneren Gesellschaft, zur Veränderung der Welt.

[…] Aus dieser Haltung heraus wird verständlich, dass Walter Ballhause selbst von seinem fotografischen Werk nur die Serien aus dem Anfang der Dreißigerjahre in Hannover für wichtig hielt. Dabei ist vieles darüber hinaus interessant.

[…] In einem Gespräch mit Arbeiterfotografen der Gruppe Hannover 1981 nennt er […] eine Serie über Umsiedlerfamilien in Straßberg, seine fachlich-technische Fotografie als Gießereifachmann und „nebenher, während des Urlaubs und bei sonstigen Anlässen habe ich dann auch ein paar Erinnerungsfotos gemacht.“ (Arbeiterfotografie Nr. 31, 1982, S. 24 ff.) Zu solchen „Erinnerungsfotos“ zählte Walter Ballhause […] auch eine Serie von Fotografien zum Aufbau der Plamag–Gießerei mit einer sehr stringenten Reihe von Portraits seiner Mitarbeiter – eine Serie, die ich besonders bemerkenswert finde.

[…] Viele Jahre lang fotografierte Walter Ballhause anschließend an diese Nachkriegsfotos dann fast ausschließlich Naturstudien und Landschaftsaufnahmen, die wieder seine schon früh in Erscheinung getretene gefühlvolle Naturverbundenheit zeigen. Es entstanden auch Serien von Gebrauchsbildern […]. Unter den Ortsansichten von Plauen und Straßberg finden sich Aufnahmen, die nicht nur den schönen neuen Ort zeigen, sondern auch Ruinen und Verfall, auch wilde Müllkippen. In einem Foto von Straßberg findet sich die Kombination von DDR-Fahne, restauriertem Kirchturm und alter bürgerlicher Bausubstanz, die aber mit zugemauerten Fensterhöhlen nur mühsam vor dem völligen Verfall gesichert ist. Ich denke, dass man Walter Ballhause in dieser Zeit trotz all seinem Idealismus und seinem Anteil an gewaltiger Aufbauleistung auch eine gehörige Portion wacher, kritischer Distanz zutrauen kann.

Die folgenden Mappen werden später veröffentlicht:

DAVONGEKOMMEN [VDN–ANGEHÖRIGE, VVN – VEREINIGUNG DER VERFOLGTEN DES NAZIREGIMES]
MEMORIAL [BUCHENWALD, VERFOLGTE DES NAZIREGIMES (VDN) GEDENKSTÄTTEN, KRIEGSGRÄBER]
UMSIEDLER [VERTRIEBENE]
BEFREIER UND FREUNDE
NEUES LEBEN BLÜHT AUS DEN RUINEN [PLAMAG-GIESSEREI]
LEBEN IN STRASSBERG UND KÜRBITZ [LEBEN IN DER DDR]
GESELLSCHAFTLICHE HÖHEPUNKTE [IN DER DDR]
GEBORGENHEIT DER KINDER
OSTSEE-URLAUB 
WANDERUNGEN, ERHOLUNG NAH UND FERN
ZU BESUCH
WINTER
SONSTIGES [NATURFOTOGRAFIE]
URLAUB ČSSR/OSTSEE
LANDSCHAFTEN

1. Boström, Jörg: Ein Nachruf auf den Fotografen Walter Ballhause, in: Internetseite Arbeiterfotografie, abgerufen am 02.02.2021, URL: http://www.arbeiterfotografie.de/verband/erfurt-2007/aufruf.html

2. Peter Beicken, in: Solidarisches Sehen oder Weimars Ende in Hannover. Der Arbeiterphotograph Walter Ballhause, in: Die Horen, Jg. 27, 1982, Heft 126, S. 66-68

3. Originalgliederung des Bildmaterials 1930–1933, erstellt 1971–1972 mit Ergänzungen von 1981 (Bildmaterial 1934–1935)

4. Gerd Schnakenwinkel, in: Aus der Nähe. Fotografien von Walter Ballhause, in: Photonews 10/2000, S 8 ff.

5. Originaltitel von Fotoserien in 7 Mappen, Anmerkung WBA. in Klammern