Neues Leben blüht aus den Ruinen

Die politischen Verhältnisse in der DDR, wo er bis zu seinem Tod lebt, sind verändert und mit ihnen sein Bildstil. Die neuen Porträts entstehen in offenem Blickkontakt mit den Fotografierten. Es sind ernste, nachdenkliche Arbeiterbilder, in welchen der Schrecken des Krieges und der Gefangenschaft noch in Spuren auf den Gesichtern und in der Körperhaltung erkennbar ist, die durch die Belastung der Arbeit zusätzlich gezeichnet sind. Ohne Schutz und fachgerechte Arbeitskleidung, in persönlichen Jacken und Mützen, teilweise aus abgenutzten Uniformresten zusammen genäht, geben diese Menschen den Rest ihrer Kraft für den Aufbau einer neuen Produktionsstätte, in der sie auch sich selbst wieder finden. Das mühevolle Aufrichten nach Unterdrückung und Krieg wird jetzt Thema der Fotografie. Walter Ballhause formt auch hier gesellschaftliche Entwicklungen zu Bildern.[1]

Entstanden sind die meisten im Gießereimilieu der PLAMAG in der Aufbauphase der Schwerindustrie der DDR. Ballhause war damals Gießereileiter. Um fehlerfreien Guss drehte sich in diesen Jahren sein Sinnen … Wo gut gearbeitet wird, fehlt es auch nicht an gesellschaftlicher Anerkennung. Eine Reihe Plauener Gießereiarbeiter wurde deshalb mit dem Titel „Aktivist“ geehrt. Der Leiter Walter Ballhause machte damals von jedem dieser ausgezeichneten Arbeiter ein Portrait am Arbeitsplatz und schenkte ihnen das Foto als Erinnerung an diesen Tag.[2]

 

1. Boström, Jörg: Schatten im Licht. Walter Ballhause. Ein politischer Beobachter und Gestalter, in: Hesse, Wolfgang (Hrsg.): Die Eroberung der beobachtenden Maschinen. Zur Arbeiterfotografie der Weimarer Republik, Leipzig 2012, S. 303-324

2. Klaus Tanneberger, Freie Presse 1986